Demokratie in Rojava darf nicht untergehen
09. Feb 2026
Die pax christi-Kommission Friedenspolitik blickt mit großer Sorge auf die politischen Entwicklungen in Syrien nach dem Sturz von Präsident Assad Ende 2024. Sie hat früh im syrischen Bürgerkrieg vor einem durch einen Umsturz entstehenden Machtvakuum und einer Gewaltumkehr gegen die alawitischen, christlichen und kurdischen Minderheiten gewarnt. Die Ereignisse des vergangenen Jahres 2025 mit Massakern an Alawiten und Drusen, aber auch Übergriffen gegen Christen haben unseren Warnungen recht gegeben. Der neue syrische Machthaber Al Scharaa wurde von westlichen Staaten akzeptiert und hofiert in der Erwartung, bald Geflüchtete nach Syrien zurückführen zu können.
Sehr kritisch muss vor allem auf die angespannte Situation im kurdischen Autonomiegebiet Rojava geblickt werden, das vorbildhaft ist in der Gleichberechtigung von Frauen und der Koexistenz zwischen den Religionen und Gesellschaftsentwürfen im Norden Syriens. Nun aber geht die syrische Armee, die bereits den Großteil des ölreichen kurdischen Teils Nordostsyriens überrannt hat, extrem zielstrebig gegen die verbliebene Enklave Rojava mit ihren Hauptorten Kobane und Kamishli vor. Ein am 30. Januar 2026 geschlossenes Abkommen zwischen der kurdischen Führung und Staatschef Al Sharaa wird von den USA als Meilenstein gefeiert, gleicht aber de facto einer Zwangskapitulation und bedeutet das Ende der Selbstverwaltung.
Seit Wochen gehen in europäischen Städten Kurd:innen auf die Straße, finden Aktions- und Veranstaltungswochen, Solidaritätserklärungen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft aus über 40 Ländern und vieles mehr statt, um Unterstützung auf den Erhalt Rojavas zu lenken und der Vernachlässigung der Eskalationsgefahr durch die europäische Politik Ausdruck zu geben. Rojava darf nicht sterben – wir dürfen nicht aufhören, für diesen Gesellschaftsentwurf einzustehen, mit ihm zu lernen und seine Existenz und sein demokratisches, gemeinwohlorientiertes Gesellschaftsmodell zu verteidigen.
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pax christi Deutsche Sektion
Diözesen
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Kommission Friedenspolitik
Die kritische Begleitung der Bundeswehrreform, der Konflikt in Syrien und die Kritik an der Rüstungsexportpolitik der Bundesregierung gehören zu den Themen der Kommission.