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DenkMal 2026

24. Jun 2026

Frieden erinnern – Denkmäler und Mahnmale in Münster. Schulprojekt mit der Mathilde-Anneke-Gesamtschule

An der Mathilde-Anneke-Gesamtschule (MAG) findet jährlich das Service-Learning-Projekt „SozialAktiv“ in der Oberstufe statt. Dabei engagieren sich alle Schüler*innen der Einführungsphase (EF, 11. Klasse) für insgesamt 20 Stunden in sozialen Projekten. Am Ende reflektieren sie ihre Erfahrungen in einem Portfolio, das von den Lehrkräften bewertet wird. Bisher bestanden Kooperationen mit sozialen Einrichtungen wie dem Arbeiter-Samariter-Bund, der Bahnhofsmission, der Obdachlosenhilfe, Bürgerstiftungen sowie nachhaltigen Initiativen. In Absprache mit der verantwortlichen Lehrerin wurde das Angebot um den Bereich Friedensbildung erweitert, mit dem Ziel, die Schüler*innen für dieses gesellschaftlich relevante Thema zu sensibilisieren. Den Auftakt bildet jedes Jahr im November eine Kick-off-Veranstaltung in der Aula der MAG, bei der sich die verschiedenen Projekte vorstellen.

Nach der Projektvorstellung im November 2025 meldeten sich neun Schüler*innen für die nächste Projektphase, die im Januar 2026 begann. Im Mittelpunkt stand diesmal das Thema „Frieden“ im Kontext von Denk-, Mahn- und Ehrenmälern in Münster.

Zu Beginn sammelten die Schüler*innen bekannte Denkmäler und recherchierten grundlegende Informationen. Darauf aufbauend setzten sie sich kritisch mit Erinnerungskultur und Geschichtsbewusstsein auseinander: Wie erinnern Gesellschaften an Kriege, Konflikte und historische Ungerechtigkeiten wie Ausbeutung und Unterdrückung? Warum werden bestimmte Ereignisse hervorgehoben, andere weniger?

Ziel war die Erstellung kurzer Videos, in denen ausgewählte Denkmäler vorgestellt und eingeordnet werden. Diese sollen künftig sowohl innerhalb der Schule, beispielsweise für Austauschschüler*innen, als auch darüber hinaus öffentlich zugänglich sein.

Zur Strukturierung entwickelten wir gemeinsam einen Leitfaden mit zentralen Fragestellungen, unter anderem zu:
  • Gestaltung und Symbolik: Warum sehen Mahnmale oft abstrakt oder minimalistisch aus? Welche Wirkung haben Formen, Materialien oder Inschriften? 
  • Opfer- und Täterperspektiven
    Wer wird in Denkmälern als Opfer dargestellt – und wer nicht? Werden auch Täter benannt oder bleibt das oft ausgeblendet? 
  • Wandel der Bedeutung im Laufe der Zeit
    Viele Kriegsdenkmäler stammen aus früheren Epochen und wurden ursprünglich ganz anders interpretiert (z. B. heroisch statt kritisch). Wie haben sich diese Bedeutungen möglicherweise verändert? Wie wird heute vor Ort mit dem Denkmal und dem entsprechenden Gedenken umgegangen?
  • Kontroversen und Kritik
    Soll man alte Kriegsdenkmäler stehen lassen, verändern oder entfernen? Gerade Denkmäler mit nationalistischer oder verherrlichender Botschaft sind oft umstritten. Gibt es diese Kritik?
  • Verbindung zur Gegenwart
    Was haben vergangene Kriege mit heutigen Konflikten zu tun? Welche Lehren lassen sich ziehen? Wer initiierte das Denkmal zu welchem Zeitpunkt?  Welche Botschaft vermittelt es?
Leitend war dabei stets die Frage, welche Verbindung das jeweilige Denkmal zum Thema Frieden aufweist.

Nach der Recherche präsentierten die Schüler*innen ihre Ergebnisse im Plenum und überarbeiteten diese anhand von Feedback. Anschließend produzierten wir gemeinsam ein Beispielvideo am Paul-Wulf-Denkmal, um technische und gestalterische Aspekte zu erproben. Daraufhin setzten die Kleingruppen ihre eigenen Videoprojekte eigenständig um – von der Aufnahme über den Schnitt bis hin zum eingesprochenen Text.

Die fertigen Videos wurden abschließend präsentiert und gemeinsam reflektiert. Die Rückmeldungen innerhalb der Gruppe waren durchweg positiv. 

Es wurden u.a. folgende Krieger-, Denk- und Mahnmäler von den Schüler*innen behandelt: Traindenkmal, Galen-Denkmal, Kriegerehrenmal am Mauritztor, Denkmal zur Erinnerung an den Abschluss des Westfälischen Friedens von 1648 (Friedensdenkmal 1648, abgerissen), Paul-Wulf-Skulptur, Gedenktafel zu Folgen des Zweiten Weltkrieges und Wiederaufbau, Gedenktafel zur Bücherverbrennung Münster 1933, Gedenkstein Synagoge, Zwinger, Mahnmal Unteilbares Deutschland.

Erreichte Lernziele

Die Schüler*innen konnten ihr historisches Verständnis deutlich vertiefen, indem sie sich mit konkreten Ereignissen wie den Weltkriegen, der deutschen Teilung oder der Kolonialzeit auseinandersetzten. Dabei erkannten sie, dass Geschichte im öffentlichen Raum stets aus bestimmten Perspektiven dargestellt wird und sich Deutungen im Laufe der Zeit verändern.
Zugleich entwickelten sie ein kritisches Bewusstsein für Erinnerungskultur und gesellschaftliche Aushandlungsprozesse. Durch die Beschäftigung mit unterschiedlichen Perspektiven – etwa von Opfern, Tätern und nachfolgenden Generationen – wurden Empathie und Urteilsvermögen gestärkt.

Darüber hinaus trug das Projekt zur politischen Bildung bei: Die Schüler*innen erkannten Denkmäler als Teil öffentlicher Debatten. Sie setzten sich mit Fragen von Verantwortung, Schuld und gesellschaftlichen Werten auseinander. Dies förderte einen reflektierten Umgang mit Vergangenheit und Gegenwart.

Zu sehen sind die fertigen Videos auf unserem Youtube-Kanal