Gegen den Strom der Gewalt
18. Feb 2026
Auch in diesem Jahr standen zwei zentrale Abendveranstaltungen im Mittelpunkt der Friedenskonferenz, die sich bewusst als Alternative zur Münchner Sicherheitskonferenz positioniert. Den Auftakt bildete am Freitagabend, dem 13. Februar, die Veranstaltung „I Refuse“ – ein Plädoyer für Kriegsdienstverweigerung als Widerstand gegen Staat und Militär.
In Zeiten neuer Wehrpflichtdebatten, umfassender Aufrüstung und militärischer Eskalationen in Europa gewinnt das Thema Kriegsdienstverweigerung erneut an politischer und gesellschaftlicher Brisanz. Am Umgang mit Kriegsdienst zeigt sich, ob eine Gesellschaft bereit ist, die Kriegspläne ihrer Regierungen und Militärs aktiv mitzutragen – oder ob sie diesen die Gefolgschaft verweigert. Kriegsdienstverweigerung ist daher weit mehr als eine individuelle Gewissensentscheidung: Sie ist ein grundsätzlicher politischer Akt, der staatliche Gewalt, Militarisierung und Kriegsvorbereitung infrage stellt.
Der Abend beleuchtete die vielfältigen Motive, Bedeutungen und politischen Dimensionen der Kriegsdienstverweigerung – aus internationaler Sicht und anhand persönlicher Schicksale. Auf dem Podium kamen Kriegsdienstverweigerer:innen aus Israel, Russland und der Ukraine zu Wort, die ihre Erfahrungen und Standpunkte teilten.
Am Samstagmorgen boten zwei Workshops auf der Friedenskonferenz wertvolle Einblicke in kreative und interaktive Methoden der politischen Bildung – und stießen auf großes Interesse bei den Teilnehmenden.
Caren Niemann führte die Gruppe mit Methoden des Theaters der Unterdrückten durch eine intensive Auseinandersetzung mit Macht, Unterdrückung und Widerstand. Durch Bewegung, Improvisation und szenisches Spiel entstanden Ausdrucksformen, die nicht auf rationale Argumentation setzen, sondern auf erfahrungsbasiertes Lernen.
Harald Hellstern von pax christi und der Rüstungsexportkampagne leitete ein interaktives Planspiel, das die komplexen Dynamiken von Rüstungsexporten erfahrbar machte. Die Teil-nehmenden schlüpften in die Rollen verschiedener Akteur:innen – von der Friedensbewegung über Rüstungsproduzenten bis hin zur Regierung– und diskutierten die Positionen in einem fiktiven Entscheidungsprozess.
Am Samstagabend lud die Friedenskonferenz die Journalistin und Publizistin Kristin Helberg mit ihrem Format „Zeit zu Reden“ zu einer kritischen Auseinandersetzung ein. Im Mittelpunkt stand das Thema: „Sanktionen und Boykotte als Mittel von Politik und Zivilgesellschaft– Eine Reflexion über gewaltfreie Formen von Druck und Widerstand in Kriegszeiten.“
Parallel zur Münchner Friedenskonferenz fand ein breites Spektrum an alternativen Veranstaltungen statt. Dazu gehörten eine Demonstration gegen die Sicherheitskonferenz, ein ökumenisches Friedensgebet, eine Nachbereitungsveranstaltung mit Augenzeugenberichten sowie das abschließende interreligiöse Friedensgebet.
Dern gesamten Bericht von Martin Pilgram, mit weiterführenden Links, finden Sie im Downloadbereich.